Über mich

Ich trainiere mein ganzes Leben. BOEZOR ist das, was es mich gelehrt hat.

Fünfundvierzig Jahre alt, drei Jahrzehnte „bei der Stange geblieben“, immer noch auf dem Weg zu meiner besten Form — und jetzt dabei, anderen zu ihrer zu verhelfen.

Der Weg ist das Ziel

Sport gehört zu meinem Leben, solange ich denken kann. Ich begann mit fünf Jahren Handball zu spielen und blieb mehr als vierzehn Jahre dabei. Dazu kam Tischtennis auf Wettkampfniveau, und mit siebzehn verbrachte ich ein Jahr in den USA, wo ich Wrestling für mich entdeckte und es bis ins State Final schaffte. Dort begann auch meine Beziehung zum Krafttraining — eine Beziehung, die mich, mit unterschiedlichen Schwerpunkten und unterschiedlicher Konsequenz, seit inzwischen rund drei Jahrzehnten begleitet.

Was mich daran von Anfang an faszinierte, war nicht nur das Ergebnis. Natürlich mochte ich es, stärker zu werden und zu sehen, wie sich mein Körper veränderte. Aber mindestens genauso faszinierend fand ich die eigentümliche Ehrlichkeit des Trainings. Man setzt einen Reiz, erholt sich, passt sich an und wird mit der Zeit besser. Es gibt keine Abkürzung, die diesen Prozess vollständig ersetzt. Man kann ihn verstehen und optimieren, aber man kann die notwendige Wiederholung nicht überspringen.

Ich habe in diesen Jahrzehnten keineswegs immer optimal trainiert. Es gab Phasen, in denen ich sehr konsequent war, und andere, in denen Sport weniger Raum in meinem Leben einnahm. Ich habe Dinge richtig gemacht und genügend Dinge falsch, um heute zu wissen, dass Erfahrung allein noch kein Beweis für die Richtigkeit einer Methode ist. Aber eine Konstante gab es: Ich bin immer wieder zum Training zurückgekehrt.

Rückblickend steckt darin vielleicht die wichtigste Lektion, die mir Sport beigebracht hat.

Was bedeutet „optimal“, wenn man es jahrelang tun muss?

Fitness wird heute häufig wie ein großes Optimierungsproblem behandelt. Welche Übung erzeugt den besten Hypertrophiereiz? Wie viele Sätze sind optimal? Welche Trainingsfrequenz ist ideal? Wie viel Protein brauche ich? Wie nah sollte ich ans Muskelversagen trainieren? Welche Supplements sind sinnvoll? Wie wichtig sind Schlaf, Timing oder Periodisierung?

Diese Fragen sind berechtigt. Ich selbst habe irgendwann angefangen, mich sehr intensiv mit ihnen zu beschäftigen. Aber unter all diesen Detailfragen liegt eine viel grundsätzlichere Frage: Kannst du das, was du dir vorgenommen hast, lange genug tun, damit dein Körper überhaupt die Chance bekommt, sich daran anzupassen?

Ein einzelnes großartiges Workout verändert wenig. Ein perfekter Ernährungstag verändert fast nichts. Selbst der beste Trainingsplan bleibt nur ein Plan, wenn er nach wenigen Wochen aufgegeben wird. Körperliche Anpassung entsteht nicht aus einem einzelnen außergewöhnlichen Moment, sondern aus der Akkumulation vieler ausreichend guter Entscheidungen über einen langen Zeitraum.

Genau deshalb ist Disziplin im Sport so wichtig. Motivation ist wertvoll, aber sie schwankt. Es wird Tage geben, an denen man schlecht geschlafen hat, die Arbeit anstrengend war, der Fortschritt stagniert oder schlicht keine Lust vorhanden ist. An solchen Tagen ist Disziplin die Fähigkeit, eine Entscheidung nicht jedes Mal neu von der momentanen Stimmung abhängig zu machen.

Aber Disziplin allein ist kein besonders gutes Fundament für Jahrzehnte.

Wenn jede Trainingseinheit Überwindung bedeutet und jede Ernährungsentscheidung als Verzicht erlebt wird, kann man dieses System vielleicht eine Zeit lang aufrechterhalten. Man kann sich durch sechs Wochen, zwölf Wochen oder vielleicht auch ein Jahr kämpfen. Doch Fitness ist kein zeitlich begrenztes Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist. Wer einen leistungsfähigen Körper aufbauen und erhalten möchte, bewegt sich in Zeiträumen von Jahren und letztlich Jahrzehnten.

Und genau an diesem Punkt bekommt Freude eine Bedeutung, die weit über bloßen „Spaß“ hinausgeht.

Freude ist kein Gegensatz zu Disziplin

Spaß am Training bedeutet nicht, dass jede Einheit angenehm sein muss. Ein schwerer Satz kann unangenehm sein. Fortschritt kann frustrierend langsam verlaufen. Manche Trainingstage sind hervorragend, andere mittelmäßig, und einige fühlen sich einfach schlecht an. Freude am Training bedeutet deshalb nicht, permanent begeistert zu sein.

Es bedeutet vielmehr, dass man dem Prozess selbst etwas abgewinnen kann.

Vielleicht ist es das Gefühl, stärker zu werden. Vielleicht die Konzentration während eines schweren Satzes, die Beherrschung einer Bewegung, das Erlernen eines Skills oder die Ruhe, die während des Trainings entsteht. Vielleicht ist es auch schlicht die Befriedigung, etwas getan zu haben, von dem man weiß, dass es einem langfristig guttut.

Disziplin bringt uns durch die Tage, an denen diese Freude nicht unmittelbar verfügbar ist. Aber Freude ist einer der Gründe, warum wir nach diesen Tagen wiederkommen.

Das verändert auch die Vorstellung davon, was ein „optimaler“ Trainingsplan eigentlich ist. Ein physiologisch perfekt konstruierter Plan, den jemand hasst und nach acht Wochen abbricht, ist in der Realität möglicherweise schlechter als ein theoretisch etwas weniger optimales Programm, das diese Person über Jahre mit Begeisterung und hoher Qualität ausführt.

Die beste Lösung existiert deshalb nicht nur auf dem Papier. Sie muss in ein echtes Leben passen.

Mit fünfundvierzig wollte ich wissen, was noch möglich ist

Ende 2023 stellte ich mir eine einfache Frage: Was ist körperlich eigentlich noch möglich, wenn ich Training, Ernährung und Regeneration wirklich ernst nehme?

Ich wollte nicht einfach wieder etwas fitter werden. Ich wollte herausfinden, wie gut ich in diesem Alter noch werden konnte. Also begann ich, fünf- bis siebenmal pro Woche zu trainieren, Kalorien und Makronährstoffe systematischer zu erfassen und Schlaf und Regeneration bewusster zu behandeln. Ich machte meine Trainerlizenz und begann gleichzeitig, mich wesentlich intensiver mit der Wissenschaft hinter den Dingen auseinanderzusetzen, die ich teilweise seit Jahrzehnten praktizierte.

Trainingsphysiologie, Hypertrophie, Energiebilanz, Muskelproteinsynthese, Progressive Overload, Ermüdungsmanagement, Ernährung und Regeneration wurden zunehmend zu Themen, die ich nicht nur anwenden, sondern wirklich verstehen wollte.

Je tiefer ich einstieg, desto komplexer wurde die Materie. Fast jede einfache Fitnessregel besitzt Bedingungen, Einschränkungen und Kontext. Gleichzeitig geschah etwas Interessantes: Unter dieser Komplexität wurden die grundlegenden Zusammenhänge immer klarer.

Der Körper braucht einen ausreichenden Grund, sich anzupassen. Training liefert diesen Reiz. Ernährung stellt Energie und Baustoffe bereit. Regeneration schafft die Voraussetzungen dafür, dass Anpassung stattfinden kann. Die Energiebilanz beeinflusst, in welche Richtung sich der Körper entwickelt. Und all diese Faktoren benötigen vor allem eines: genügend Zeit.

Damit führt vieles wieder zurück zur Konstanz.

Nicht weil Details bedeutungslos wären. Sondern weil selbst die beste Detailoptimierung wenig bewirkt, wenn das Fundament nicht dauerhaft vorhanden ist.

Aus diesem Gedanken entstand später ein wesentlicher Teil dessen, was heute BOEZOR ausmacht.

Calisthenics und die Freude daran, wieder Anfänger zu sein

Bis April 2025 hatte ich einen Körper aufgebaut, auf den ich wirklich stolz war. Doch interessanterweise verschob sich damit mein Ziel. Nur besser auszusehen genügte mir irgendwann nicht mehr. Ich wollte wissen, was ich mit diesem Körper tun konnte.

So kam Calisthenics in mein Leben.

Nach Jahrzehnten des Krafttrainings war ich plötzlich in vielen Bereichen wieder Anfänger. Ein Handstand verlangt etwas anderes als eine schwere Druckübung. Eine Planche lässt sich nicht allein dadurch erzwingen, dass man stärker wird. Front Lever, Human Flag und andere Skills verlangen Kraft, aber ebenso Technik, Koordination, Körperspannung, Beweglichkeit, spezifische Anpassung und sehr viel Geduld.

Ich fand es großartig.

Nicht unbedingt deshalb, weil ich sofort gut darin war — das war ich nicht. Sondern weil ich wieder lernen musste. Bewegungen, die bei anderen mühelos aussahen, waren plötzlich Probleme, die ich Stück für Stück lösen musste. Manchmal machte ich innerhalb weniger Trainingseinheiten große Fortschritte. Manchmal passierte wochenlang scheinbar gar nichts. Und dann funktionierte eines Tages eine Bewegung, die kurz zuvor noch unmöglich gewirkt hatte.

Heute gehören Straddle Planche, Front und Back Lever, Human Flag, Muscle-up, Handstand, L-Sit und V-Sit sowie der 90° Handstand Push-up zu den Fähigkeiten, die aus diesem Prozess entstanden sind. Natürlich bin ich stolz darauf. Aber mit zunehmender Zeit wurde mir klar, dass die Skills selbst nur der sichtbare Teil der Geschichte sind.

Der eigentlich interessante Teil sind die Tausenden Wiederholungen davor.

Die Gefahr, das eigene Leben auf später zu verschieben

Fitness besitzt eine psychologische Falle, die wahrscheinlich fast jeder kennt, der einmal ernsthaft ein körperliches Ziel verfolgt hat: „Wenn ich dort angekommen bin, dann bin ich zufrieden.“

Wenn ich fünf Kilogramm verloren habe. Wenn die Bauchmuskeln sichtbar sind. Wenn ich dieses Gewicht drücken kann. Wenn die Planche endlich funktioniert. Wenn ich so aussehe, wie ich es mir vorgestellt habe.

Das Problem ist nicht, Ziele zu haben. Ziele geben Richtung. Das Problem entsteht, wenn das gesamte positive Erleben an einen zukünftigen Zustand gebunden wird.

Denn sobald ein Ziel erreicht ist, erscheint fast zwangsläufig das nächste. Es gibt immer noch eine Wiederholung, noch ein Kilogramm, noch einen Skill, noch einen Körperfettprozentpunkt oder noch etwas, das verbessert werden könnte. Wer ausschließlich für das Ergebnis trainiert, riskiert deshalb, jahrelang einem Zustand hinterherzulaufen, in dem er sich endlich erlauben möchte, zufrieden zu sein.

Für mich veränderte sich Fitness grundlegend, als ich aufhörte, Training ausschließlich als den Preis zu betrachten, den ich für einen zukünftigen Körper bezahlen muss.

Ich trainiere heute nicht nur, weil ich das Ergebnis möchte. Ich trainiere, weil ich gerne trainiere. Ich möchte verstehen, warum etwas funktioniert. Ich mag die Konzentration eines schweren Satzes. Ich mag es, mit einer Bewegung zu kämpfen, die ich noch nicht beherrsche. Und ich liebe diesen seltenen Moment, in dem etwas, das monatelang unmöglich erschien, plötzlich funktioniert.

Natürlich mag ich auch die Ergebnisse. Es gibt keinen Grund, so zu tun, als wären Aussehen, Kraft oder Leistungsfähigkeit unwichtig. Sie sind Teil der Motivation.

Aber sie sind nicht mehr die einzige Rechtfertigung für den Weg dorthin.

Warum daraus BOEZOR entstanden ist

Wir leben in einer paradoxen Zeit. Noch nie war so viel Wissen über Training, Ernährung und Gesundheit verfügbar, und gleichzeitig war es vermutlich noch nie so einfach, sich darin zu verlieren.

Kohlenhydrate sind schlecht. Kohlenhydrate sind unverzichtbar. Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit. Fasten ist überlegen. Trainiere bis zum Muskelversagen. Vermeide Muskelversagen. Mehr Volumen. Weniger Volumen. Dieses Supplement. Jener Trainingssplit. Die nächste revolutionäre Methode.

Das Problem ist häufig nicht zu wenig Information, sondern zu viel Information ohne Hierarchie.

Menschen versuchen Details zu optimieren, bevor die Grundlagen stabil sind.

BOEZOR ist aus dem Wunsch entstanden, diese Reihenfolge wiederherzustellen. Nicht indem wir eine weitere geheime Methode erfinden, sondern indem wir wissenschaftliche Erkenntnisse so strukturieren, dass daraus verständliche und anwendbare Prinzipien entstehen.

Ernährung stellt Ressourcen bereit. Energie gibt die Richtung vor. Training setzt den Anpassungsreiz. Regeneration ermöglicht die Anpassung. Konstanz lässt die Wirkung dieser Faktoren über die Zeit akkumulieren. Und Skills können schließlich aus aufgebauter Kraft tatsächliche körperliche Fähigkeiten machen.

Die Wissenschaft dahinter kann sehr komplex werden. Gute Entscheidungen müssen es nicht zwangsläufig sein.

Gleichzeitig möchte ich nicht, dass jemand meinen persönlichen Weg als Blaupause versteht. Mein Training ist nicht dein Training. Mein Körper ist nicht dein Körper. Meine Lebensumstände und meine Ziele sind nicht deine. Und nur weil etwas bei mir funktioniert hat, ist es noch kein wissenschaftlicher Beleg dafür, dass es bei jedem anderen genauso funktioniert.

Genau deshalb soll BOEZOR nicht auf der Autorität einer Person beruhen, sondern auf Evidenz, nachvollziehbaren Prinzipien und der Fähigkeit, diese auf den individuellen Kontext anzuwenden.

Am Ende führt alles wieder zum Weg

Je länger ich trainiere, desto weniger glaube ich an einen endgültigen Zielpunkt.

Ich habe weiterhin Ziele. Ich möchte stärker werden, weitere Skills lernen, meinen Körper erhalten und verbessern und noch sehr viel mehr darüber verstehen, wie Training und körperliche Anpassung funktionieren. Aber ich weiß inzwischen auch, dass hinter jedem erreichten Ziel ein neues auftauchen wird.

Und das ist vollkommen in Ordnung.

Denn wenn der Weg selbst einen Wert besitzt, muss man nicht mehr darauf warten, irgendwann anzukommen.

Aus Training wird eine Routine. Aus einer Routine kann eine Gewohnheit werden. Und aus über Jahre wiederholten Gewohnheiten kann schließlich ein Teil der eigenen Identität entstehen. Dann lautet die Frage nicht mehr jeden Montag, ob man diese Woche wieder mit Fitness anfangen sollte. Training gehört einfach zum Leben.

Disziplin bleibt wichtig. Gerade an den Tagen, an denen Motivation fehlt, brauchen wir sie. Aber ich glaube nicht, dass man sein gesamtes Leben gegen sich selbst gewinnen sollte. Wenn Fitness dauerhaft funktionieren soll, müssen wir einen Weg finden, den Prozess zumindest überwiegend gerne zu gehen.

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus inzwischen rund drei Jahrzehnten Training: Der Körper, den wir aufbauen, ist das Ergebnis. Aber das Leben findet währenddessen statt.

Deshalb sollten wir wissenschaftlich fundiert trainieren. Wir sollten gute Entscheidungen treffen, Fortschritt messen, aus Fehlern lernen und versuchen, unser Training sinnvoll zu optimieren. Aber bei all dieser Optimierung sollten wir eine Frage niemals vergessen:

Möchte ich diesen Weg auch morgen noch gehen?

Wenn die Antwort darauf ja lautet, wird Konstanz sehr viel wahrscheinlicher. Und wenn wir über Jahre konstant bleiben, entsteht aus einzelnen Trainingseinheiten etwas, das keine perfekte Zwölf-Wochen-Challenge ersetzen kann.

Es entsteht Entwicklung.

Nicht nur darin, wie wir aussehen oder was wir leisten können, sondern auch darin, wie wir mit Herausforderungen umgehen, wie geduldig wir werden und wie selbstverständlich wir Verantwortung für unseren eigenen Körper übernehmen.

Das ist für mich der eigentliche Kern von BOEZOR.

Der Weg ist das Ziel. Also sollte es ein Weg sein, den du gerne gehst.

Be kind to your mind. Go hard on your body.

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